Karrierewechsel Ü50: Träume zu Ende denken

Karrierewechsel Ü50: Träume zu Ende denken

CareerChangeWolfgang gab mit 59 Jahren seinen Dienstwagen zurück und beschäftigte sich erst mal mit vielen Dingen, die ihm wichtig waren. Heute ist er Coach für Karrierewechsel. Er spricht in diesem Interview über Erfolgskriterien für Senior Experts.

Karin Tegtmeier: Du hast Dich mit 59 Jahren für einen Karrierewechsel entschieden. Warum?
Wolfgang:
„Ich wollte einfach das tun, was mir wichtig war, nenn‘ es von mir aus ‚Work-Life-Balance‘. Ich habe so viele Interessen, die ich als typischer Vielarbeiter – lange Arbeitstage, kurze Urlaube – nicht wirklich unterbringen konnte. Ich wollte neue Prioritäten setzen und das tun, was mir heute wichtig ist, solange ich noch bei so guter Gesundheit bin. Ich unterstütze ehrenamtlich junge Menschen in der Berufsorientierung oder ich halte Vorträge über volkswirtschaftliche Themen, die mich interessieren. Es ist mir wichtig, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten, ‚Citizen‘ zu sein, aber auch für die Familie da zu sein. Zudem arbeite ich als Coach für Karrierewechsel. Das macht mir alles sehr viel Spaß und ich freue mich, weiterhin Wissen aufzubauen und einzubringen. Ich bin total zufrieden.“

Karin Tegtmeier: Welche Entscheidungen sind Dir schwer gefallen?
Wolfgang:
„Keine. Richtige Schwierigkeiten gab es eigentlich nicht, aber natürlich mussten wir das durchrechnen. Es war schon seit langem eine Überlegung, und eines morgens bin ich aufgewacht und mir war klar: In zwei bis drei Jahren höre ich auf! Ich war Hauptverdiener und zuletzt Alleinverdiener. Wir hatten etwas gespart, dazu kam das Geld aus der Ausscheidungsvereinbarung und dann war klar, dass es reicht – und wenn noch ein bisschen über meine selbständige Arbeit reinkommt, ist es umso besser!“

Karin Tegtmeier: Wie war die Umstellung, der Tag danach?
Wolfgang: „Den Dienstwagen abzugeben, war die ‚Sekunde 0‘, ein symbolischer Akt! Wir hatten uns überlegt, dass wir zurücklaufen – von den Pyrenäen bis nach Bremen! Vier Monate lang den Himmel anschauen, sich langsam von den letzten zehn Jahren verabschieden und Abstand gewinnen, allmählich zu Hause und im neuen Leben ankommen. Dann war da die Familie, ich habe Internetkurse besucht, und frühere Geschäftspartner haben sich bei mir gemeldet, auch zwecks einer möglichen Zusammenarbeit. Ich habe sehr darauf geachtet, mit wem es gut läuft, ob ‚die Chemie stimmt‘, und schließlich habe ich mit und für Experconnect (link) gearbeitet.“

Karin Tegtmeier: Was würdest Du anderen Senior-Experts empfehlen, die mit dem Gedanken spielen, sich beruflich zu verändern?
Wolfgang: „Irgendwann muss man sich klar darüber sein, was man will, und dann muss man Entscheidungen treffen: Ich interessiere mich für etwas, also tue ich das jetzt auch. Oft kommen gleich die Ängste, ob das überhaupt geht oder das Richtige ist, vor Misserfolg etc. Man braucht eine gewisse Risikobereitschaft und kann nicht alles vorwegnehmen. Ich muss mich in die richtige Richtung bewegen, denn dann lerne ich dazu, und nach einer Weile sehe ich ja, ob ich die Richtung beibehalten oder sie korrigieren will. Diese Entscheidungsfähigkeit hängt auch damit zusammen, sich selber ernst zu nehmen.“

Karin Tegtmeier: Wie kann Coaching bei Karriere-Wechsel helfen?
Wolfgang: „Oft wagt man es nicht, seine Träume zu Ende zu denken. Coaching kann den Raum schaffen, auszudrücken, was man will. Es kommen oft Aussagen wie z.B. ‚Mein Traum war es immer, in Lateinamerika zu arbeiten, aber das ist natürlich nur Blödsinn, das geht ja nicht…‘ Den Traum zu analysieren und zu dekonstruieren, herauszuarbeiten worin genau die Attraktivität besteht und wie man ihr nahekommen kann, das führt dann zu Schritten, die machbar sind.“

Karin Tegtmeier: Wie schätzt Du den Arbeitsmarkt für Senior Experts 50+ ein?
Wolfgang: „Der Markt teilt sich, und es kommt vor allem auf zwei Dinge an: Gesundheitliche Fitness und Lernbereitschaft.

Manche sind nach einem Berufsleben oder einer ungesunden Lebensweise so verbraucht, dass sie nur noch wenige Einsatzmöglichkeiten haben, doch andere sind topfit! Und wenn Du meinst, dass Du schon alles weißt, wird’s schwierig. Das geht meistens schief. Doch wenn Du neugierig bist und Lust hast, Neuland zu betreten oder Dich auf ein Umfeld einzulassen, das Du noch nicht kennst, dann ist Deine Erfahrung Gold wert!

Erfahrung wird gebraucht und honoriert, wenn auch nicht in den klassischen Beschäftigungsformen, sondern eher als freiberufliche Projektmanager, Interimsmanager etc. Netzwerke, wie z.B. Experconnect vermitteln tolle Projekte, auch international!“

Karin Tegtmeier: Vielen Dank, lieber Wolfgang, für dieses Gespräch und weiterhin alles Gute!

Wolfgang ist Coach für Karrierewechsel und lebt in Bremen.

Einladung
Ich lade alle Senior Experts 50+ zu einer persönlichen Standortbestimmung und Zielfindung ein!
Bitte schicken Sie mir Ihre Fragen!

2019-04-18T09:46:08+00:00 18.08.2015|Allgemein|1 Comment

One Comment

  1. Daniela Heggmaier 22. September 2015 at 11:36 - Reply

    Liebe Karin,
    das ist ein Erfahrungsbericht, der Mut macht! Ich beobachte derzeit viele erfahrene Manager um die 50, die werteorientiert nach neuen Perspektiven und sinnvollen Aufgaben in einem wertschätzenden Umfeld suchen. Wolfgang’s Weg ist ein gutes Vorbild! Danke dafür.
    Viele Grüße
    Daniela

Leave A Comment