Demografie: Mit Motivation ins Alter

Demografie: Mit Motivation ins Alter

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Die Fakten
Heute ist jeder vierte Arbeitnehmer in Deutschland über 50 Jahre alt. Vor fünf Jahren war es nur jeder fünfte, doch die Entwicklung schreitet rapide voran. 2020 wird jeder dritte Arbeitnehmer über 50 Jahre alt sein. Außerdem werden zeitgleich in Deutschland 6 Mio. Erwerbstätige fehlen. Volkswirtschaftlich gesehen ein großes Problem. Die Bundesregierung setzt vor allem auf drei strategische Hebel: eine längere Erwerbstätigkeit, einen höheren Erwerbstätigkeitsanteil von Frauen, sowie die gezielte Zuwanderung. Der stärkste Hebel ist die Verlängerung der Erwerbstätigkeit, und wir wissen es ja schon lange: Wir müssen länger arbeiten. Doch was heißt das eigentlich?

 

 

Drei Faktoren für den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit
Es werden nicht nur die Arbeitgeber sein, die uns länger beschäftigen. Selbstverständlich müssen sie sich darauf einstellen, doch auch die Betroffenen selber müssen sich mit dem Erhalt ihrer Erwerbstätigkeit auseinandersetzen. Diese hängt vor allem von drei Faktoren ab: 1. Gesundheitlicher Fitness, 2. Persönlicher Flexibilität & Lernbereitschaft und 3. Ihrer Motivation. Für alle drei Faktoren haben wir eine Mitverantwortung, denn schließlich geht es um uns! Und dies sind meine Empfehlungen als Arbeitsmarktexpertin und Coach:

Sie brauchen eine pro-aktive Strategie
Zu häufig habe ich 50-jährige Mitarbeiter oder Klienten mit „Durchhaltestrategien“ getroffen. Das kann zwei bis drei Jahre gut gehen, doch ich kann nicht 10 oder 15 Jahre lang mit einer Vogel-Strauß-Strategie auf die Rente hinarbeiten! Durchhalten gibt keine Energie, im Gegenteil, es kostet uns sehr viel Energie, schafft Frustration, Unzufriedenheit und schwächt schließlich den Teamgeist. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, empfehle ich den Menschen eine pro-aktive Strategie: Finden Sie heraus, was ihnen wirklich wichtig ist und was sie wirklich gerne tun möchten. Kurz: Tun Sie, was Sie lieben. Das gibt Energie, schafft Zufriedenheit und Standhaftigkeit, auch bei Schwierigkeiten. Manchmal ist es ganz einfach, und man kann im selben Unternehmen eine andere Aufgabe übernehmen.

Wie Sie Ihre Arbeitsmotivation und das Betriebsklima nachhaltig verbessern können
Mein Arbeitsmotto lautet „Do what you love“, doch manchmal gilt auch „Love what you do“. Manchmal können wir eine Kleinigkeit hinzufügen, die uns wichtig ist, und schon können wir uns in unserem Job wiederfinden. Dazu ein Beispiel: Antonio ist Produktmanager in einer Schweizer Softwarefirma. Als wir uns trafen, war er sich unsicher, ob er in der Firma bleiben sollte oder sich als Yogalehrer selbständig machen sollte. Eine gesunde Lebensweise war ihm wichtiger geworden als das neueste IT-Projekt. Doch er war auch Ernährer seiner Familie, hatte Angst vor finanziellen Verlusten, und so schlecht war sein Job ja eigentlich auch nicht. Er hat mit seinem Chef darüber gesprochen, und heute gibt er neben seinem Produktmanager-Job einen Yogakurs im Unternehmen. Er war begeistert, dass seine Firma und seine Kollegen dafür offen waren und darauf eingegangen sind. Dadurch haben sich die Beziehungen und das Arbeitsklima sehr positiv verändert, und Antonio ist wieder hoch-motiviert und hat das Gefühl, seine „zwei Welten“ zusammenzubringen.

Rechtzeitig vorbereiten: Achten Sie auf Ihre Beschäftigungsfähigkeit
Ich empfehle sogar schon den 30-Jährigen, fortwährend Ihren Marktwert zu hinterfragen und sich immer wieder zwei Fragen zu stellen: 1. Wenn ich morgen etwas anderes tun müsste/wollte, was könnte ich dann auf dem Arbeitsmarkt verkaufen? 2. Wenn ich weiterhin den Job mache, den ich im Moment habe, wie verhält sich dann mein Marktwert: Steigt, stagniert oder sinkt er? Jüngere Generationen und Kollegen wachsen nach, und ich muss meinen Erfahrungsvorsprung geschickt investieren um ihn zu halten: weitergehende Kompetenzen entwickeln – so dass, wenn die anderen das können, was ich heute kann, ich für die neue Tätigkeit bereit bin. Das bedeutet, dass ich mir irgendwann in der Mitte der Karriere ein Bild entwerfen sollte, welche meiner Kompetenzen „alterstauglich“ sind, für die Alter kein Problem oder sogar ein Vorteil ist, wie z.B. Beratungstätigkeiten – und dann kann ich mich darauf vorbereiten. Bei jedem Karrierewechsel muss man radikal auf seine bewiesenen Stärken und auf seine Motivation setzen. Ich kann Menschen nur ermuntern, Veränderungen zu vollziehen. Die meisten unterschätzen ihre Möglichkeiten, und viele verharren in frustrierenden Jobs, obwohl sie es nicht bräuchten.

Interessante Arbeitsformen für erfahrene Experten
Manchmal ist es nicht ganz so einfach, und wir wollen oder müssen uns regelrecht neu orientieren. Dafür ist es wirklich nie zu spät. Wir können mit 50 Jahren andere Berufsentscheidungen treffen als mit 25: Wir haben uns einen gewissen Standard und sozialen Status erarbeitet, die Kinder sind aus dem Gröbsten heraus – das macht uns auch wieder frei. Persönlich finde ich es sehr viel einfacher, mit 50 das zu tun, was ich liebe als mit 30 – doch natürlich muss man nicht solange warten! Es stimmt auch, dass bestimmte Dinge schwieriger werden, z.B. eine Festeinstellung. Neue, interessante und durchaus lukrative Arbeitsformen sind jedoch entstanden, z.B. im Interimsmanagement, Projektmanagement oder auch die Selbständigkeit.

Balance zwischen Sicherheit und Freiheit neu abwägen: Arrangieren Sie sich nicht!
Die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit sieht in jeder Lebensphase anders aus. Die solide Berufs- und Lebenserfahrung ermöglicht uns, anders mit Risiken umzugehen. Die Frage, wie kann ich mit 50 noch weitere 15 Jahre gut und zufrieden arbeiten, ist die Einladung, einen Moment lang innezuhalten und auf unseren Werdegang zurückzuschauen, uns unsere Fähigkeiten und Bedürfnisse bewusst zu machen und das herauszukristallisieren, für das wir uns wieder begeistern können. Bedingt durch den demographischen Wandel, stehen über-50jährigen, engagierten und flexiblen Menschen heute wesentlich mehr Möglichkeiten offen als jemals zuvor, und das wird sich in den nächsten Jahren noch steigern. Also halten Sie sich mit Schwung an die großartige Abschiedsbotschaft des Apple-Firmengründers Steve Jobs, der seine Zuhörer auffordert, sich nicht zu arrangieren: „Bleibt hungrig, bleibt verrückt!“

Zielfindung
Wenn Sie Bilanz ziehen möchten, wo Sie stehen und was Ihnen heute wichtig ist, um dann Ihr Etappenziel für die nächsten Jahre herauszukristallisieren, empfehle ich Ihnen den kreativen Zielfindungsworkshop. Der nächste Workshop findet am 30. April im Denkerhaus in Dießen am Ammersee statt. Anmeldeschluss ist am 10. April. Bei Anmeldung bis 25. März erhalten Sie den Frühbucherrabatt.

Interessante Links

Weiterentwickelte Demographiestrategie der Bundesregierung: http://www.bundesregierung.de/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/Demografiestrategie/Artikel/2015-08-21-zusammenfassung.html

Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA): www.inqa.de

Bundesverband Initiative 50 Plus: http://www.bvi50plus.de

Steve Jobs’ Rede in Stanford, Juni 2005: Bleibt hungrig, bliebt verrückt!  http://www.ifrick.ch/2011/10/steve-jobs-stanford-rede-als-deutscher-text/

Karin Tegtmeier, 6Way-Coaching: www.6Way-Coaching.com/blog

2018-06-25T18:59:58+00:00 7.03.2016|Allgemein|0 Comments

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